Im Geist der Antike
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Große Ohrringe aus Gold, Umbau aus einer antiken Brosche, um 1912 und später
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Description
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Formen des Schmucks der klassischen Antike noch unbekannt. Weder in der Renaissance, noch im Klassizismus hatten archäologische Ausgrabungen echten Schmuck des Altertums hervorgebracht. Die Entwürfe dieser Epochen waren lediglich Annäherungen an ein Ideal gewesen, das man sich aus anderen Zusammenhängen wie der Architektur oder der Skulptur erschließen musste.
Mit der Entdeckung echten etruskischen Schmucks ab den 1820er Jahren in Italien änderte sich dies schlagartig. Prinzessin Alexandrine von Canino etwa war dafür bekannt, gern einige auf ihrem Landsitz bei Rom gefundene original etruskische Schmuckstücke zum Neid ihrer Freundinnen zu tragen. Doch die Zahl der Stücke, die ja alle Zufallsfunde waren, bleib gering und originalen, Jahrtausende alten etruskischen Schmuck konnte weiterhin nur ein Bruchteil der Damen besitzen. Daher begannen die Goldschmiede jener Jahre schon bald, neue Schmuckstücke nach nun endlich bekannten antiken Formen herzustellen.
Besonders Pio Castellani aus Rom und seine Söhne taten sich hier hervor und gestalteten Schmuck, der ab der Mitte des Jahrhunderts zu einem in ganz Europa bekannten Markenzeichen und einer wahren Mode wurde. Doch auch im übrigen Europa wurden ihre Arbeiten, die man schnell unter dem Begriff des „archäologischen Stils“ bekannt machte, mit Interesse aufgenommen und mit den Formen der eigenen Geschichte verschmolzen.
Das hier vorliegende Paar Ohrringe spricht die Formensprache dieser Mode. Unter einem Ohrbügel mit angebrachter Kugel ist ein reich verziertes Element beweglich angebracht, das Blüten und Blattwerk zusammen mit feinen Kordelbelötungen und gewickelten Golddrähten zeigt. Unten einen Halbkreis ausbildend, sind lange Pendel angehängt und goldene Kugeln angebracht.
Die Ohrringe sind wohl in den letzten Jahrzehnten aus einer antiken Brosche, auf der Rückseite eines Elements ist ein Jahresbuchstabe für das Jahr 1912 erkennbar, und einem ursprünglich kürzeren Paar Ohrringe als Mariage entstanden: Die beiden reich ornamentierten Oberteile waren wohl an ihren unteren Enden miteinander verbunden und rahmten als Brosche ein heute verlorenes, rundes Schaustück. Ein geschickter Goldschmied hat sie voneinander getrennt und dort in ein Paar Ohrringe eingesetzt. Mit den Pendeln unter ihnen ergeben sie nun einen stimmigen Entwurf im Geschmack des späten 19. Jahrhunderts.Das späte 19. Jahrhundert war vernarrt in die Vergangenheit. Die Gesellschaft änderte sich, die Industrie hatte die einstmals beschaulichen Städte längst in große Metropolen verwandelt, und neue Techniken wie der Telegraph brachten die Welt näher zusammen. In dieser Situation sehnten sich die Bürger nach Stabilität und Verlässlichkeit – und schauten auf die Geschichte zurück, um hier Vorbilder zu finden für ihre eigene Zeit.
Dabei wechselten die Moden nun zunehmen schneller. In den früheren Jahrhunderten hatten sich die ästhetischen Vorlieben nur sehr langsam verändert. Im 19. Jahrhundert jedoch beschleunigte sich ihr Wandel enorm. Die Schmuckgeschichte kennt in den hundert Jahren zwischen 1800 und 1900 so viele Moden wie Generationen. Zu Beginn und zum Ende des Jahrhunderts etwa waren weiße Schmuckstücke gefragt, reich besetzt mit Diamanten. In den 1860er und 1870er Jahren waren kräftige Farben gefragt, vorzugsweise große, polierte Flächen aus Gelbgold und intensive Farbsteine.
| Material: | Gold 375/000, entspricht 9 Karat, zusätzlich feinvergoldet |
| Stempelungen: | Auf der Rückseite eines der Ohrringe Reste einer Stempelfolge der Stadt Chester für 9-karätiges Gold mit dem Jahresbuchstaben „M“ für 1912 |
| Größe: | Mit Bügeln 6,1 cm lang, max. 1,8 cm breit |
| Gewicht: | 5,4 g |
| Zustand: | Sehr gut, Umbau aus einer Brosche |
| Zertifikat: | Lieferung mit Zertifikat |
| Objekt-Nr.: | 21-1453 |

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